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18.04.2018
GO-Bio

Aminolipin zur Formaldehyd-freien Fixierung von biologischen Materialien

GO-Bio-Runde 8
Prof. Dr. Bernhard Hirt
Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik, Eberhard Karls Universität Tübingen

Zuwendungsempfänger: Eberhard Karls Universität Tübingen


PROJEKTBESCHREIBUNG

Formaldehyd ist eine Chemikalie, die aufgrund ihrer vielfältigen Eigenschaften nicht nur in der Industrie, sondern auch in der Anatomie und Pathologie sowie im Bestattungswesen eingesetzt wird. Es ist das am meisten verwendete Fixier- und Konservierungsmittel von menschlichen Körperspendern, Organen und Geweben. Formaldehyd ist jedoch hochtoxisch und nachweislich stark gesundheitsschädigend. Daher wurde in Deutschland 2015 die zugelassene Konzentration von Formaldehyd am Arbeitsplatz drastisch gesenkt, die Nutzung ist nur unter strengen Auflagen möglich. Seit 2016 gilt Formaldehyd in Europa offiziell als wahrscheinlich karzinogen beim Menschen und wird mit Verdacht auf mutagene Wirkung eingestuft. Eine alternative Substanz ist bisher nicht am Markt erhältlich, was viele Arbeiten in Anatomie, Pathologie und Bestattungswesen aktuell stark einschränkt.

Forscher um den Tübinger Humanmediziner Bernhard Hirt haben eine Formaldehyd-freie Substanz als Ersatzstoff entwickelt. In mehreren Screenings sind sie auf das Pyrrolidinderivat Aminolipin gestoßen. Es kann aus naturstoffnahen Substanzen mittels chemischer Synthese hergestellt werden. Als Rohstoff wird unter anderem Kokosnussöl verwendet. Die Tübinger Wissenschaftler konnten mit zahlreichenUntersuchungen zeigen, dass sich Aminolipin für die Fixierung und Konservierung von biologischen Materialien - wie Gewebe und Organe - sowie zur Einbalsamierung von Körpern hervorragend eignet. Der Vorteil Aminolipin-basierter Produkte: Anders als Formaldehyd hemmen sie nicht nur effektiv Funktionsproteine, beispielsweise Proteinasen, sondern sie wirken auch antimikrobiell.

Im Fokus der GO-Bio-Förderung steht die Vorbereitung der Kommerzialisierung von Aminolipin als Formaldehyd-freie Alternative für den Einsatz in Anatomie, Pathologie und Bestattungswesen. In der ersten Phase von GO-Bio soll der Herstellungsprozess optimiert werden. Aktuell ist die Synthese von etwa 5.000 Litern Aminolipin möglich, was dem Jahresbedarf eines anatomischen Instituts entspricht. Mit der Förderung soll eine Hochskalierung des Produktionsprozesses erfolgen, sodass mindestens alle rund 35 in Deutschland ansässigen Anatomie-Institute sowie langfristig auch alle rund 350 Institute in Europa beliefert werden können. Neben der Produktion sollen im Rahmen von GO-Bio auch weitere modifizierte Aminolipinderivate entwickelt werden. Zugleich soll die vielversprechende Substanz auf Grundlage der europäischen Biozidverordnung auf Kanzerogenität, Toxizität und Umweltverträglichkeit geprüft werden. Die Wirksamkeit von Aminolipin als Fixier- und Konservierungsmittel wird wiederum im Rahmen einer internationalen multizentrischen Studie getestet. Lässt sich der Proof-of-Concept erbringen, ist nach Abschluss der GO-Bio-Phase die Gründung eines Unternehmens geplant. Neben Deutschland wird langfristig auch der asiatische Markt anvisiert. Hier gibt es allein rund 600 anatomische Institute, mit einigen hat das Forscherteam bereits eine Kooperation gestartet.

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