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04.10.2009
GO-Bio

Neuartige Therapien auf der Basis von RNA-Molekülen

GO-Bio Runde 3
Prof. Dr. Gunther Hartmann
Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie, Universitätsklinikum Bonn

RNA DNA Strang
Copyright: 
adimas - Fotolia

Zuwendungsempfänger: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Förderung: GO-Bio Phase I (01.04.2010 bis 30.06.2014, 1.604.190 Euro)

Projektbeschreibung

Nukleinsäuren sind für Organismen essentielle Substanzen: Sie sind die Träger der Erbinformation und kommen als RNA (Ribonukleinsäure) oder DNA (Desoxyribonukleinsäure) vor. Inzwischen werden Nukleinsäuren als neuartige Therapieform auch für Immunologen immer wichtiger. So beschäftigt sich Gunther Hartmann bereits seit Jahren damit, wie beispielsweise das Erbgut von Viren – das oft in Form von RNA vorliegt – von der menschlichen Immunabwehr erkannt wird. Im Rahmen seiner BioFuture-Förderung konnte er diese Frage auf molekularer Ebene aufklären. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen ist es dem Team um Hartmann inzwischen gelungen, spezielle immunstimulatorische RNA-Moleküle zu entwickeln, die eine Virusinfektion nachahmen und so bestimmte Immunreaktionen auslösen. Der Körper wird also dazu animiert, sich selbst zu helfen.

Dies könnte gezielt für therapeutische Zwecke genutzt werden. Darüber hinaus haben die Forscher einen Weg gefunden, diese RNA-Moleküle mit Eigenschaften der RNA-Interferenz zu kombinieren. Dadurch üben sie zwei Funktionen aus: sie stimulieren das Immunsystem und schalten gezielt Gene aus, die beispielsweise für das Überleben von Krebszellen wichtig sind. Beide Therapie-Ansätze sind in Tiermodellen bereits erfolgreich getestet worden.

Mithilfe dieser ersten GO-Bio Förderrunde unterzogen Hartmann und sein Forscherteam die RNA-Moleküle einer präklinischen Prüfung, um sie zukünftig als Therapeutika zur Bekämpfung von Virusinfektionen, Krebserkrankungen und Autoimmunerkrankungen einsetzen zu können.

Fortschritte nach der GO-Bio Förderung

Im Jahr 2014 gründeten Hartmann und Kollegen schließlich die Rigontec GmbH mit Sitz in Bonn. Finanzielle Unterstützung erhielt das Start-up sowohl durch die Fördermaßnahme KMU-innovativ: Biotechnologie - BioChance (ebenfalls BMBF; Förderzeitraum 02/2015 - 06/2018; 1,8 Mio. Euro), als auch durch eine Serie A-Finanzierung im Jahr 2014 über 9,45 Mio. Euro. Nach mehreren Closings konnte das Jungunternehmen schließlich sogar knapp 30 Mio. Euro über die Serie A-Finanzierung einwerben. Neben den Hauptinvestoren Boehringer Ingelheim Venture Fund und Wellington Partners gehörten die NRW.Bank und der halbstaatliche High-Tech Gründerfonds (HTGF) zu den weiteren Geldgebern. Die Mittel wurden für die weiterführende Erforschung und Entwicklung von RNA-basierten Immuntherapien gegen Krebs und Viruserkrankungen genutzt.

Rigontecs vielversprechender Wirkstoffkandidat trägt den Namen RGT100 und basiert auf einer modifizierten, doppelsträngigen RNA, die als Ligand des Rezeptors RIG-I (Retinoic acid Inducible Gene I) fungiert. Der Rezeptor ist an der Erkennung von RNA-Viren beteiligt. Seine Aktivierung durch RGT100 löst eine Immunreaktion aus, die sich gegen Tumorzellen richtet und ihren Zelltod zur Folge hat. Der Wirkstoff ahmt damit im Körper eine Virusinfektion nach und könnte damit eine vielversprechende Imfpung gegen Krebs darstellen. Die Forscher haben auch Hinweise darauf, dass der Ansatz die Bildung eines Immungedächtnisses befördert und Patienten auch langfristig gegen Krebs schützen könnte. Die Technologie ist grundsätzlich auf verschiedene Krebsarten anwendbar. Seit Frühjahr 2017 wird der Wirkstoffkandidat in klinischen Studien der Phase I/II zur Behandlung in soliden Tumoren getestet.

Bereits im Januar 2015 übernahm Christian Schetter als Geschäftsführer das Start-up. Er gründete neben einem zweiten Firmensitz in Martinsried auch eine US-Gesellschaft in Cambridge, Massachusetts. Durch sein Engagement wurde Rigontec auch in den German Accelerator Life Sciences aufgenommen. Mit diesem Programm unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft Biotech-Firmen bei ihren Aktivitäten in den USA. 

Im Herbst 2017 wurde die 12 Mitarbeiter umfassende Firma schließlich vom US-Pharmakonzern MSD (tradename of Merck & Co., Inc., Kenilworth, N.J,, USA (NYSE: MRK)) übernommen. Im Rahmen der Vereinbarung leistet MSD über ein Tochterunternehmen eine Vorauszahlung von 115 Mio. Euro in bar an die Anteilseigner von Rigontec. Bei der Erreichung bestimmter klinischer, entwicklungsbezogener, zulassungstechnischer und kommerzieller Meilensteine werden weitere Zahlungen in Höhe von bis zu 349 Mio. Euro fällig.

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