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04.10.2006
GO-Bio

Entwicklung innovativer Impfstoffe gegen Krebserkrankungen

GO-Bio Runde 1
Prof. Dr. med. Ugur Sahin
Experimentelle Onkologie, III. Medizinische Klinik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz | BioNTech RNA Pharmaceuticals GmbH

Impfpass Impfstoff
Copyright: 
Bernd Rehorst - fotolia.com

Zuwendungsempfänger: Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Förderung: GO-Bio Phase I (1.3.2007 bis 28.2.2010, 1.242.119 Euro)

Zuwendungsempfänger: BioNTech RNA Pharmaceuticals GmbH
Förderung: GO-Bio Phase II (1.3.2010 bis 31.12.2013, 2.892.862 Euro)

Projektbeschreibung

Ribonukleinsäure (RNA) ist mit dem Erbgutmolekül Desoxyribonukleinsäure (DNA) verwandt. Schon seit langem versuchen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, auf der Basis von RNA Impfstoffe zu entwickeln. Diese sogenannten Ribopharmaka sind eine Art „Arbeitskopien zum Einmalgebrauch“ einzelner Gene, die nach ihrer Verwendung zur Bildung von Eiweiß wieder aufgelöst werden. Auf diese Weise kann eine gezielte Antwort des Immunsystems ausgelöst werden, ohne dass es hierbei zu einer dauerhaften genetischen Veränderung im Erbgut von Zellen kommt. 

Bislang waren RNA-Impfstoffe für die direkte Anwendung jedoch nicht stabil genug: Nach der Injektion wurden sie zu schnell wieder abgebaut, als dass sie eine ausreichende Wirkung im Körper hätten erzielen können. Das Team um Ugur Sahin hat nun mithilfe gentechnischer Verfahren optimierte RNA-Ketten entwickelt, die als Impfstoffe im Tiermodell nach direkter Anwendung eine effiziente Antwort des Immunsystems auslösen und zur Hemmung und Rückbildung von Tumoren führen.

Die benutzte Technologie zur pharmakologischen Optimierung der RNA ist patentiert und ein breit nutzbares biotechnologisches Werkzeug, das sich auch zur Verbesserung bestehender Impfstoffe verwenden lässt. Mithilfe der Förderung soll diese Plattformtechnologie zur Gründung eines Unternehmens führen, das sowohl Dienstleistungen anbietet als auch selbst Impfstoffe zur Immuntherapie von Krebserkrankungen entwickelt.

Fortschritte während und nach der Förderung

Die Gründung der BioNTech AG im Jahr 2008 durch Immunologie-Professor Ugur Sahin markiert den Startschuss für ein Unternehmen, das sich seither rasant entwickelt hat und zu einem der größten privaten Biotechnologie-Unternehmen Europas geworden ist. Die ganze Unternehmensgruppe zählt zehn Jahre nach der Gründung 750 Mitarbeiter.

Der Ansatz, Wirkstoffe auf RNA-Basis zu entwickeln, bildet auch heute noch den Kern der Mainzer Firma. Das Spektrum der verfolgten Immuntherapie-Ansätze zur Behandlung von Krebs und anderen Erkrankungen hat sich jedoch stark erweitert.

BioNTech konnte schnell große Investoren gewinnen – bis heute zählen die MIG Fonds und das Strüngmann Family Office zu den Hauptinvestoren. Einen weiteren Schub erhielt die Firmengruppe durch das Cluster „Ci3- Cluster für individualisierte Immunintervention“, das von 2012 bis 2017 als Gewinner des Spitzencluster-Wettbewerbs des BMBF mit 40 Mio. Euro gefördert wurde. Zudem profitierte das Unternehmen auch von Landesförderung im Rahmen des Forschungsinstituts für Translationale Onkologie (TRON) an der Universität Mainz.

BioNTech gehört zu den bestfinanzierten privaten Biotech-Unternehmen in Deutschland. Bereits im Jahr der BioNTech-Gründung 2008 und damit nur zwei Jahre nach der Förderung des BMBF im Rahmen von GO-Bio konnte Sahin eine Seed-Finanzierung über 150 Mio. Euro durch strategische Investoren abschließen. Im Januar 2018 gab BioNTech den Abschluss einer Serie A-Finanzierungsrunde in Höhe von 225 Mio. Euro bekannt. Laut Daten des Biotech-Nachrichtenmagazins transkript ist es die mit Abstand größte einzelne Finanzierungsrunde für ein deutsches Biotechnologie-Unternehmen (zur News).

Um die vielfältigen weiteren Technologieplattformen aus dem universitären Mainzer Umfeld wurde die BioNTech-Gruppe gegründet. Über Zukäufe ist aus den ursprünglich drei Einheiten – basierend auf drei Technologieplattformen – eine Gruppe von sieben Tochterfirmen entstanden. Die Tochter RNA Pharmaceuticals GmbH entwickelt mRNA-basierte Therapeutika. Die Protein Therapeutics GmbH hat neue Antikörperformate im Visier.

Die Tochter BioNtech Diagnostics GmbH konzentriert sich in einem Querschnittsansatz auf die Identifikation und Validierung von immunologischen Krebsbiomarkern. Die Tochtergesellschaft Cell & Gene Therapies GmbH wiederum entwickelt T-Zelltherapien.  Jüngster Zugang ist die Small Molecules GmbH, die niedermolekulare Wirkstoffkandidaten der 2016 übernommenen 4SC AG entwickelt.

In den vergangenen Jahren ist BioNTech Partnerschaften mit namhaften Pharmafirmen eingegangen. Im Mai 2015 will der amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly insgesamt 27 Mio. Euro für die Entwicklung von adoptiven T-Zell-Immuntherapien direkt an BioNTech zahlen, eine Kapitalbeteiligung an einer Tochterfirma in gleicher Höhe wurden ebenso zugesagt wie mögliche Meilensteinzahlungen von bis zu 269 Mio. Euro. Darüber hinaus konnten die Mainzer einen kleineren Deal mit der dänischen Genmab A/S abschließen (15 Mio. Euro). Im November 2015 wurde mit dem französischen Gesundheitskonzern Sanofi ein hochdotiertes Kooperations- und Lizenzabkommen für bis zu fünf Krebsimmuntherapien geschlossen. Der Wert des Deals: 54,4 Mio. Euro. Mit Meilensteinzahlungen beläuft sich der potenzielle Wert des Deals auf mehr als 1,3 Mrd. Euro. Im Mai 2016 vermeldete BioNTech eine Allianz mit dem deutschen Pharmakonzern Bayer: Hier geht es um die Entwicklung von mRNA-Impfstoffen für tiermedizinische Anwendungen. Im September 2016konnte BioNtech auch einenneuen Partner für die Entwicklung und Vermarktung der hauseigenen personalisierten mRNA-Krebsimpfstoffe präsentieren: Die Roche-Tochter Genentech. Im Rahmen der Allianz winken Meilensteinzahlungen von bis zu 310 Mio. US-Dollar.

 

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