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01.04.2019
Innovationsakademie Biotechnologie

Kathetersepsis vermeiden

Innovationsakademie Biotechnologie
Dr. Stefan Margraf | Dr. med. habil. Uwe Stange
Universitätsmedizin Rostock – Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, Abt. für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten

Zwei zusammenhängende Katheterspitzen – symbolisieren Granulozytenangriff auf eine Fremdstruktur in vitro
Copyright: 
Stefan Margraf

Zuwendungsempfänger: Universitätsmedizin Rostock
Förderung Sondierungsphase: 01.04.2011 bis 31.12.2011; 54.966 Euro
Förderung Machbarkeitsphase: 01.01.2012 – 31.08.2014; 491.804,00 Euro

Projektbeschreibung

Die Anwendung von zentralvenösen Kathetern (ZVK) führt häufig zu schweren Infektionen, welche von kontaminierten ZVK ausgehen. Jährlich verursacht die Kathetersepsis in der EU 24.000 Todesfälle bei 160.000 Blutstrominfektionen (BSI). Für die USA wurde u.a. die Zahl von 28.000 Todesfällen bei 71.900-90.000 Fällen von CLABSI (Central Line Associated Bloodstream Infection) publiziert. Die Letalität nach überlebter CLABSI bleibt in den Folgejahren deutlich erhöht. Die zusätzlichen Kosten für verlängerte Behandlungen von CLABSI betragen mindestens 1 Mrd. € jährlich für Deutschland und 4,1 Mrd. US $ für die USA bei 46.000 US $ Zusatzkosten pro Einzelfall. Ein Anstieg der Letalität infolge der Zunahme von Resistenzen gegen Antibiotika ist zu befürchten.

In dem an der Universitätsklinik Rostock angesiedeltem Förderprojekt ist in der Sondierungs- und Machbarkeitsphase eine Methode zur Vermeidung der ZVK assoziierten Sepsis entwickelt worden. Das Produkt CutSep entfaltet seine Wirkung durch eine Prävention und Reinigung von Kontaminationen auf ZVKs aller Art, denn nur ein keimfreier Katheter ist sicher. In einem OP ist es nicht steril, der Mensch sondert 40 Mio. Keime über Hautabschilferungen und Mikrotröpfchen pro Stunde ab. Darüber hinaus werden viele Bakterien im Stratum corneum nicht durch die Hautdesinfektion erfasst. Diese Keimquellen kontaminieren die Katheter und sind die Basis für einen Biofilm, der sich auf 30% aller gebrauchten ZVK nachweisen lässt.

Das Gel inaktiviert und wäscht Kontaminanten ab und ist wirksam bis zum Durchtritt durch die Haut, wo es abgestreift wird. Direkt vor der Katheteranlage wird der ZVK in einen Applikator eingeführt und wieder herausgezogen, dies hinterlässt einen passageren Gelfilm. Wie üblich wird anschließend der Katheter gespült und in Seldinger Technik positioniert. Die Wirkung von CutSep erfolgt nur außerhalb des Körpers und ist begrenzt auf den kurzen Zeitraum der Anlage. Die Effektivität liegt bei 99% Keimverminderung an Kathetern nach Hautdurchtritt. Diese Art einer gezielten Prävention durch Produktschutz ist neu und weltweit patentiert. Nun soll in einer randomisierten Studie die Effizienz der Maßnahme belegt werden. Bei einer Verminderung der Inzidenz von Biofilmen um 25% würde die Methode das Potential haben weltweit mehrere tausend Todesfälle jährlich, Kosten in Milliardenhöhe sowie etwa 48.000 DALYs (EU) zu vermeiden.

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