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30.10.2018

Erste klinische Daten für Krebswirkstoff von amcure

Der peptidbasierte Krebswirkstoff AMC303 der Biotech-Firma amcure GmbH hat in ersten klinischen Studien eine gute Verträglichkeit bewiesen. Das haben spanische Kliniker auf dem ESMO-Kongress berichtet, der Ende Oktober in München stattfand. Die Vorbereitung und Finanzierung der Studie lief auch mit Mitteln des Spinnovator-Programms des BMBF. 

Krebszellen
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Trotz großer Fortschritte in der Krebstherapie - insbesondere durch die Immunonkologie in den letzten Jahren - besteht nach wie vor dringender medizinischer Bedarf für neue Therapiekonzepte in der Behandlung von metastasierenden Tumoren. Ein vielversprechender Ansatz nutzt Peptide, die in zentrale Signalwege des Tumorwachstums eingreifen, die Neubildung von Tumoren hemmen und die Migration von Krebszellen und deren Invasion in andere Organe blockieren, ohne andere Zellarten oder Organe signifikant zu beeinflussen. Dieser Ansatz wird auch durch die im Jahr 2012 aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gegründete amcure verfolgt – mit peptidbasierten Wirkstoffen.

2014 wurde – auch mit Unterstützung aus dem Spinnovator-Programm des BMBF – die präklinische Entwicklung des Wirkstoffs AMC303 gestartet. Das Molekül bindet spezifisch an das Oberflächenmolekül CD44v6, welches bei vielen Tumorarten eine wichtige Rolle spielt – insbesondere bei der Ausbreitung und Entstehung von Metastasen. Bei einigen Tumoren deutet eine hohe Expression von CD44v6 auf den Tumorzellen auf eine schlechte Prognose hin. Die Blockierung dieses Oberflächenmoleküls mit dem Wirkstoff von amcure könnte langfristig ganz neue Anwendungen in der Therapie metastasierender Krebserkrankungen wie Bauchspeicheldrüsenkrebs, Kopf- und Halskrebs, Magenkrebs, Darmkrebs, Brustkrebs und Lungenkrebs eröffnen.

Seit Oktober 2016 wurde AMC303 in einer ersten klinischen Studie an drei europäischen Krebszentren in Belgien und Spanien auf ihr Verträglichkeitsprofil getestet – und kann nun mit ersten positiven Daten überzeugen. Die Ende Oktober auf dem Kongress der Europäischen Kongress der Medizinischen Onkologie (European Society of European Oncology, ESMO) in München vorgestellten Ergebnisse zeigen demnach, dass die Substanz bei 27 Patienten mit insgesamt 11 verschiedenen Krebsarten gut verträglich ist. „AMC303 wurde von diversen Krebspatientengruppen gut vertragen, die schon verschiedene Behandlungen durchlaufen hatten. Die unerwünschten Nebeneffekte waren vorübergehend und überschaubar. Somit hat AMC303 das Potenzial, zu einer sicheren, therapeutischen Option zu werden“, berichtete Emiliano Calvo, leitender Prüfarzt der Studie am Hospital Madrid Norte Sanchinarro und Direktor des START Madrid-CIOCC Early Phase Clinical Drug Development Program. „Diese ermutigenden Daten unterstützen die Fortsetzung der Studie“, erklärte Klaus Dembowsky, Geschäftsführer der amcure GmbH.

Die Studie wurde so konzipiert, dass sie im ersten Teil eine Vielzahl von Tumorarten und im zweiten Teil eine tumortypspezifische Erweiterungskohorte in der empfohlenen Dosis für eine nachfolgende Phase 2 Studie umfasst. Im zweiten Teil sollen Patienten mit einer moderaten bis hohen Expression des Zielmoleküls CD44v6 in vier spezifischen Tumorarten von Plattenepithelkarzinomen behandelt werden. Das Unternehmen erwartet, im Jahr 2019 weitere Erkenntnisse aus der Studie präsentieren zu können.

Die Entwicklung des Wirkstoffes AMC303 und die laufende klinische Studie wird seit 2014 mit Hilfe von Investoren (Serie A im Mai 2014 über 3,7 Mio. Euro, Serie B im Dezember 2016 über 6 Mio. Euro) und Fördergeldern aus dem Spinnovator-Programm des BMBF in Höhe von insgesamt 4,2 Mio. Euro vorangetrieben. Zu den Investoren der amcure GmbH gehören unter Führung der LBBW Venture Capital die KfW, die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg, die S-Kap Unternehmensbeteiligung, das KIT und private Investoren. Einschließlich der öffentlichen Fördergelder hat amcure damit bisher insgesamt 13,9 Mio. Euro eingeworben.

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