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10.10.2018

Investmentlounge: Start-ups suchen nach neuem Kapital

Die nächste GO-Bio Investmentlounge steht vor der Tür: Rund 80 Teilnehmer – darunter Investoren und Gründerteams – werden vom 08. bis 09. November in Schloss Ziethen, nahe Berlin erwartet.

Deutschen Gründerteams, die von staatlichen Förderinitiativen wie GO-Bio, Spinnovator, Life Science Inkubator, EXIST-Forschungstransfer und KMU-innovativ unterstützt werden, dient die Investmentlounge dazu, sich vorzustellen, Investoren zu treffen und Kontakte zu knüpfen. Erstmals beteiligen sich auch internationale Investoren an der vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) organisierten Networking-Veranstaltung.

Bislang haben sich mehr als 30 Risikokapitalgeber und Business Angels sowie rund 20 Gründerteams angemeldet. "Mit der Investmentlounge bieten wir den Forschern eine Plattform, um zukunftsfähige Start-ups aufzubauen und so früh wie möglich mit Investoren in Kontakt zu treten", sagt Matthias Kölbel vom BMBF. In der Regel benötigen die Teams in dieser Phase unterschiedliche Kapitalbeträge, die je nach Geschäftsmodell zwischen einer Million und 20 Millionen Euro liegen. "Während einige der Gründer noch auf dem Weg von der Wissenschaft in die Wirtschaft sind, haben andere Projekte bereits ein sehr hohes Niveau erreicht“, so Kölbel.

Die Themenpalette der Gründer reicht von medizintechnischen Lösungen und therapeutischen Entwicklungen bis hin zu biobasierten Innovationen, die für verschiedene Branchen relevant sind. Im Folgenden werden drei Projekte kurz vorgestellt, die an der kommenden Investmentlounge teilnehmen werden.

Ein Krebsimpfstoff, der T-Zellen zu Auftragsmördern macht

Zu den vorgestellten Projekten gehört das AmpliVak-Team unter der Leitung von Richard Kroczek. Er ist Professor am Charité Comprehensive Cancer Center und wird zum ersten Mal an der Investmentlounge teilnehmen. Ziel des Projekts, das derzeit vom BMBF im Rahmen der Initiative "GO-Bio" gefördert wird: die Entwicklung eines therapeutischen Impfstoffs, der die zelluläre Immunabwehr des Körpers stimuliert. Die Rolle als „Auftragskiller“ kommt dabei den zytotoxischen T-Zellen zu. Sie sind als spezialisierte Jäger in der Lage, Krebszellen aufzuspüren und sie zu beseitigen. Damit sie die entarteten Zellen als Ziel für ihre Attacken erkennen, sind weitere Immunzellen als „Scharfmacher“ nötig – die dendritischen Zellen.

Sie eichen die T-Zellen auf ihr Ziel, indem sie ihnen Bruchstücke fremder Tumor-Strukturen über ihre Zelloberfläche präsentieren. Mit der AmpliVak-Technologie gelingt es Kroczeks Team, eine bestimmte Gruppe von dendritischen Zellen mit einer Krebsprotein-Zielstruktur auszustatten. Die Injektion des Antigens reicht aus, um die Killer-T-Zellen in Betrieb zu nehmen. Das Projekt "AmpliVak" hat bereits erste Meilensteine erreicht: Die präklinische Entwicklung eines Impfstoffs gegen Kopf- und Halskrebs ist bereits weit fortgeschritten. In der Investmentlounge wird das AmpliVak-Team die Technologie erstmals einem breiteren Kreis vorstellen. "Wir sind nun bereit und zuversichtlich, unsere Visitenkarte an die Investoren auszuhändigen", sagt Kroczek. Wenn alles nach Plan läuft, wird das Projekt Mitte 2019 in die zweite GO-Bio-Förderphase eintreten.

Erforschung alternativer Proteinquellen

Ein anderes Vorhaben bietet eine nachhaltige Lösung für den wachsenden Bedarf an Proteinen im Lebensmittelsektor. Das GO-Bio-Projekt "NuTriPep" zielt darauf ab, den wachsenden Markt mit hochwertigen Peptidkombinationen aus pflanzlichen Rohstoffen zu versorgen. Dazu greift das Team um den Biochemiker Hans-Jürgen Danneel vom Institut für Lebensmitteltechnologien der Fachhochschule Ostwestfalen-Lippe auf landwirtschaftliche Nebenprodukte zurück, die bei der Verarbeitung von Hafer, Mais, Raps oder Hopfen anfallen. Diese Ressourcen sind der Rohstoff, den das Projektteam benötigt. Sie extrahieren hochwertige Proteine, die herkömmlichen pflanzlichen Proteinen überlegen sind. Neu ist das zu diesem Zweck entwickelte Extraktions- und Fraktionierungsverfahren - die Proteinhydrolyse kann schrittweise und kontrolliert mit Hilfe von Enzymen durchgeführt werden. Eine Pilotanlage ist geplant, die 2019 in Betrieb gehen soll. "Wir brauchen den "proof of technology", um die verbesserte Qualität unserer Proteine zu demonstrieren und mit Fakten zu überzeugen", sagt Danneel. Das Projektteam sieht der Investmentlounge mit Vorfreude entgegen und hat bereits damit begonnen, verschiedene mögliche Vertriebskanäle zu analysieren und nach Investoren zu suchen.

Neue Kombinationsimpfstoffe auf Hefebasis für Nutztiere

Tiergesundheit wird ein weiteres heiß diskutiertes Thema in der Investmentlounge sein. Infektionskrankheiten stellen derzeit eine große Herausforderung für die Landwirtschaft dar und führen zu einem immensen Bedarf an Impfstoffen. Darüber hinaus muss der umfangreiche Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung drastisch reduziert werden. Das Start-up-Unternehmen Verovaccines reagiert auf diese Herausforderungen mit der Entwicklung neuartiger Kombinationsimpfstoffe auf Hefebasis. Das Unternehmen wurde 2017 als Spin-off der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und aus einer Go-Bio-Förderung aus dem Jahr 2013 gegründet. Sven-Erik Behrens und Hanjo Hennemann leiten das Unternehmen und haben eine Impfstoffplattform geschaffen, die auf modifizierten und patentierten Stämmen von Milchhefe basiert. Die Hefezellen produzieren harmlose Virusbestandteile, werden abgetötet und dann als Impfstoff unter die Haut des Tieres injiziert. "Das Ergebnis ist eine starke Aktivierung der Immunabwehr, die sicher ist und vollständig vor Krankheitserregern schützt", erklärt Hennemann. Das Projekt befindet sich derzeit in der präklinischen Phase. "Wir haben bereits in drei verschiedenen Projekten den „proof of concept“ erreicht und sowohl die Technologie als auch die Impfstoffe validiert", sagt Hennemann. In der zweiten GO-bio-Förderphase, die im April 2018 begann, werden mehrere Projekte in die regulatorische Entwicklung eintreten. Die Unternehmensgründer sind optimistisch, die offizielle Zulassung des ersten Impfstoffs bis 2022 zu erhalten. Business Angels und ein VC haben bereits gemeinsam in Verovaccines investiert. In der Investmentlounge hofft das Team, weitere finanzielle Unterstützung für die nächsten Entwicklungsstufen zu erhalten.

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