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09.04.2019
Life Science Inkubator

Proteinhüllen als GPS-System

Life Science Inkubator
Dr. Heiko Manninga
Neuway Pharma (Projekt VLP Technologie), LSI Bonn

Hirnzellen
Copyright: 
pixabay

Zuwendungsempfänger: Life Science Inkubator Bonn GmbH & Co. KG
Förderung: 01.07.2009 bis 31.05.2012, 1.541.702 Euro

Projektbeschreibung

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit mehr als eine Milliarde Menschen an Störungen des zentralen Nervensystems. Zu den häufigsten Formen zählen die sogenannten neurodegenerativen Erkrankungen, wie Multiple Sklerose, Alzheimer und Parkinson, aber auch Hirntumore. Die Symptome können - je nach Erkrankung - von Sehstörungen über Lähmungserscheinungen bis hin zu Gedächtnisverlust und Demenz reichen. Gängige Therapiemethoden sind nur begrenzt wirksam. Dies liegt einerseits daran, dass die Ursachen dieser sehr unterschiedlichen Erkrankungen unzureichend geklärt sind. Anderseits ist die erkrankte Körperregion das Gehirn, das durch einen besonderen Mechanismus, die Blut-Hirn- Schranke, geschützt ist. Diese verhindert den Übertritt von Krankheitserregern und Giftstoffen vom Blut ins Gehirn. Dieser Filter unterscheidet aber oftmals nicht zwischen Schadstoffen und heilenden Wirkstoffen, was die medikamentöse Therapie neuronaler Erkrankungen schwierig, wenn nicht sogar unmöglich macht.

Die Wissenschaftler des Projekts „VLP-Technologie“ haben eine „Medikamenten- Fähre“ entwickelt, mit deren Hilfe sich Wirkstoffe nach Verabreichung über die Blutbahn gezielt ins Gehirn transportieren lassen. Am Life Science Inkubator gelang es der Projektgruppe, die prinzipielle Machbarkeit dieses Verfahrens nachzuweisen („Proof of Principle“): Bei Untersuchungen an Mäusen konnte insbesondere gezeigt werden, dass das neue Transportsystem in der Lage ist, die „Blut-Hirn-Schranke“ zu überwinden, und daher Medikamente von der Blutbahn ins Gehirn zu befördern. Als erstes therapeutisches Ziel wird die Behandlung einer besonders aggressiven Form des Hirntumors (Gliobastoma multiforme) angestrebt. Weitere Anwendungsfelder sind neurodegenerative Erkrankungen, insbesondere die Multiple Sklerose.

Das Verfahren beruht auf künstlich hergestellten Proteinkapseln, sogenannten „Virus-Like-Particles“ (VLPs). Es handelt sich um kugelförmige, nur Millionstel Millimeter große Hüllen, die sich gezielt mit Wirkstoffen beladen lassen. Die Proteine der Kapsel haben die Funktion eines GPS-Systems: Sie finden die Zielzellen und liefern dort ihre Wirkstoffe ab.

"VLP-Technologie“, ein Forschungsprojekt des Bonner Life Science Inkubators, wurde ab 2009 mit öffentlichen und privaten Mitteln unterstützt. Mit Ende dieser Phase erfolgte die Gründung eines eigenständigen Unternehmens, der Neuway Pharma GmbH, das die Entwicklung der neuen „Medikamenten-Fähre“ im Hinblick auf einen therapeutischen Einsatz fortsetzt.

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