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18.04.2018
GO-Bio

T-Zell-Immuntherapie gegen Blutkrebs

GO-Bio-Runde 8
Dr. Felix Lorenz, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin-Buch

Zuwendungsempfänger: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

PROJEKTBESCHREIBUNG

Immuntherapien sind aktuell der wohl größte Hoffnungsträger in der Krebsmedizin. Mediziner setzen hierzu Arzneimittel ein, die das Immunsystem von Patienten in seiner Aktivität stimulieren, um Krebszellen im Körper zu bekämpfen. Einer von mehreren vielversprechenden Ansätzen ist die sogenannte T-Zelltherapie: Hier werden hochaktive Immunzellen, die T-Zellen, aus dem Blut von Patienten gewonnen und im Labor mit einem künstlichen Molekül ausgestattet. Diese künstlichen Moleküle sind tumorspezifische Rezeptoren, die die T-Zelle in die Lage versetzen, die Tumorzellen im Körper des Patienten aufzuspüren und nachhaltig zu bekämpfen. Die tumorspezifischen Rezeptoren werden mithilfe von Gentechnik in die T-Zellen eingepflanzt und diese werden dann dem Patienten wieder verabreicht. Sie zirkulieren durch den Körper, vermehren sich und beginnen, die Krebszellen zu attackieren. Nach diesem Prinzip funktionieren etwa die CAR-T-Zelltherapien – die bereits in den USA und bald auch in der EU zugelassen sind.

Das GO-Bio-Projekt „Captain T Cell“ um den Molekularbiologen Felix Lorenz verwendet als tumorspezifischen Rezeptor nicht das CAR-Molekül, sondern eine Gruppe von Rezeptoren namens „klassische T-Zell-Rezeptoren“ (TCR). Damit will das Team eine hochwirksame T-Zelltherapie für austherapierte Blutkrebspatienten entwickeln. Das Ausgründungsprojekt vom Max-Delbrück-Centrum Berlin (MDC) hat zunächst die akute myeloische Leukämie (AML) ins Visier genommen, für deren Behandlung TCR-T-Zellen ein vielversprechender Ansatz sind. An dieser aggressiven Blutkrebserkrankung sterben in den USA und Europa jährlich bis zu 20.000 Patienten. Um AML-Patienten mit TCR-T-Zellen zu behandeln, wurde eine Technologie-Plattform entwickelt, mit der sich exakt auf Tumor-Zielstrukturen passende TCRs entwickeln und aufspüren lassen.

Im Rahmen von GO-Bio will „Captain T Cell“ nun AML-spezifische TCRs entwickeln, diese präklinisch testen und ein therapeutisches Produkt vorbereiten, mit dem eine klinische Phase I/IIa-Studie durchgeführt werden kann. Es ist geplant, das am MDC entstandene Know-how an Captain T Cell auszulizenzieren. Neben einer Firmengründung strebt das Berliner Team an, die erste klinische Studie aus privatem Kapital zu finanzieren. Fernziel ist es, eine TCR-T-Zelltherapie zu entwickeln, die im Jahr 2028 eine Zulassung als „Orphan“-Arzneimittel erreichen kann. Perspektivisch möchte das Captain-T-Cell-Team auch T-Zell-Immuntherapien für weitere Tumorerkrankungen entwickeln.

 

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